15 Wochen zu früh, 25+0 Schwangerschaftswoche!

– Die Geschichte meiner Kämpferinnen Teil 4 –

 

Die Fahrt in das andere Krankenhaus erlebte ich wie im Traum.
Die zwei Herren die mich aus dem Kreißsaal abholten waren wirklich sehr nett und derjenige, der mit uns hinten fuhr versuchte auf eine sehr freundliche Art mich durch Konversation von meinen Schmerzen abzulenken. Trotzdem kam mir die Fahrt unglaublich lang vor. Tatsächlich waren es nur 15 Minuten.
Angekommen nahm ich nichts richtig wahr. Auf dem Weg in den Kreißsaal bemerkte ich um mich herum nichts. Ich lag auf der Trage und ließ mich schieben, aber alles um mich rum sah irgendwie verschwommen aus.
Im Kreißsaal angekommen konnte ich direkt in ein kleines Zimmer in dem mir Blutdruck gemessen und das CTG angelegt wurde. Das CTG war für mich eine Qual. Ich sollte möglichst still liegen, aber mir tat alles weh und die drei Knöpfe machten es nur schlimmer. Ich war froh als es abgenommen wurde, aber leider bestätigte es die bisherigen Vermutungen. Ich hatte Wehen, relativ starke und das regelmäßig.
Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht daran, wie ich in meinen zukünftiges Zimmer kam, nur daran, dass ich glücklich war, dass es ein Einzelzimmer war. Ich war k.o. und wollte einfach nur schlafen.
Der weitere Plan für mich (und die Mädchen) war die Wehen durch Tokolyse zu unterdrücken und so die Kinder noch so lange wie möglich im Bauch zu behalten.
So erhielt ich auch relativ schnell die ersten Tabletten.

 

Einige Zeit angekommen überlegten wir, ob wir unsere Eltern und meine Schwester über die aktuelle Situation informieren würden, entschieden uns jedoch dagegen.
Wir wollten niemanden beunruhigen. Ich hatte Angst, dass jemand noch zusätzlich Stress machen würde. Das hätte ich beim besten Willen nicht gebrauchen können.

 

Trotz Tokolyse ging es mir schlecht. Ich hatte weiterhin Schmerzen, zusätzlich wurde mir auch noch immer übler und ich fing an mich häufig zu übergeben.
Mein Mann wollte mich nicht allein lassen, aber er musste nochmal los um einige Sachen für mich zu holen, schließlich musste ich im Krankenhaus bleiben, womit ich noch am Morgen dieses Tages nicht gerechnet hatte. Oder rechnen wollte..
Also bat ich ihn meine Cousine anzurufen. Ich wollte einfach nicht alleine sein und bei ihr wusste ich, dass sie beruflich flexibel genug war um zu mir zu kommen. Außerdem wusste ich, dass sie schweigen kann und die ganze Situation nicht aufbauschen würde. Meiner selbst Schwangeren Schwester wollte ich das nicht zumuten. Ich muss dazu sagen, dass Krankenhaus befand sich genau auf der anderen Seite der Stadt.

 

Wie ich vermutet hatte, kam meine Cousine so schnell sie konnte und leistete mir während der Abwesenheit meines Mannes Gesellschaft. Ich bat sie mit mir Fernsehen zu gucken. Sie lag bei mir im Bett. Ihre Hand auf meinem Bauch, mein Kopf an ihrer Schulter. Alles was ich sagen konnte war:„So war das alles nicht geplant!“. Im Nachhinein erzählte sie mir, dass sie froh war, dass ich sie nicht sah, da ihr die Tränen kamen. Sie sagte, dass sie sich in diesem Moment seit langem wieder fühlte wie meine große Cousine, dass sie mich und die Mädels einfach nur beschützen wollte, aber das konnte keiner und sie tat etwas viel wertvolleres! Sie war einfach da! Und so konnte ich mich endlich etwas entspannen und schlief sogar ein! Ich war nicht allein und das beruhigte mich sehr!
Hier nochmal tausend Dank dafür 😘.

 

Sie blieb also bei mir, bis mein Mann wiederkam. Da ging es mir dann auch endlich etwas besser. Er blieb noch etwas und wurde dann nach Hause geschickt. Er wollte spätestens um 7 Uhr am nächsten Morgen wieder bei mir sein.
Ich wollte nicht alleine seien, ich hatte kein gutes Gefühl und doch wusste ich, dass es für ihn wichtig war in Ruhe zu Hause zu schlafen. Und genau darauf freute ich mich auch. Endlich schlafen.
Daraus wurde nur leider nichts..

Die Nacht war furchtbar. Nur wenige Stunden nachdem mein Mann gegangen war fingen die Schmerzen wieder an, trotz erneuter Tokolyse. Mir wurde erneut schlecht und ich fing an mich wieder oft zu übergeben.
Ich bekam Magnesium und etwas gegen die Übelkeit. Es half nichts. Ich lief schlaflos durchs Zimmer. Versuchte mir immer wieder klar zu machen, dass es sicher nicht so schlimm sei, sondern ich einfach nur k.o. von den anstrengenden Tagen zuvor war.
Ich konnte nicht liegen, also stand ich am offenen Fenster und schaute raus bis auch das nicht mehr ging. Ich lief durchs Zimmer, setzte mich auf den Rand des Bettes. Keine Besserung. Ich versuchte mich durch Fernsehen abzulenken. Nichts half.
Ich klingelte nach der Hebamme. Wieder bekam ich etwas gegen die Übelkeit. Es half nur kurze Zeit.

Und dann bekam ich Angst!
Zu den Schmerzen im Rücken kamen nun auch Schmerzen im Unterleib. Auch in den Augen der Hebamme sah ich nun Angst.
Ich sollte versuchen mich ins Bett zu legen, sie ging den Arzt holen.
Ich schaute auf mein Handy. Ich hatte nicht geschlafen und mir war nicht bewusst, dass so viel Zeit vergangen war. Es war etwa vier Uhr.
Ich beschloss meinem Mann noch nicht zu schreiben und abzuwarten, was die Ärzte sagen würden.
Die Hebamme kam sehr schnell mit der Ärztin und einem Ultraschallgerät zurück. Es bestand die Befürchtung, dass sich meine Plazenta gelöst hatte. Dies war zum Glück nicht der Fall!
Den Kindern ging es gut. Es sollte noch ein CTG geschrieben werden. Sie konnten den Herzschlag des ersten Kindes nicht finden. Allein diese Aussage macht einer werdenden Mutter ziemlich Angst kann ich euch sagen. Also wieder das Ultraschallgerät geholt und mit Hilfe dessen die richtige Position für den Knopf gefunden.
Der Herzschlag der Kinder war okay. Die Wehen hingegen leider nicht. Trotz Tokolyse hatte ich starke regelmäßige Wehen. Die Dosis sollte nun erhöht werden.
Um 5 Uhr morgens beschloss ich meinen Mann anzurufen. Er schlief und ich weckte ihn durch meinen Anruf, aber ich wusste, dass irgendetwas nicht stimmte. Also bat ich ihn zu kommen und er machte sich, so bald er richtig wach war, auf den Weg.

Als er ankam lag ich gerade wieder am CTG, ich hatte starke Schmerzen, aber die Visite sollte gleich kommen.
Es war gegen neun, als in der Visite beschlossen wurde, dass ich vom Oberarzt gesehen werden sollte. Kurz danach konnte ich auch schon zu ihm.
Wir wurden von einer Schülerin im letzten Jahr begleitet. Ich glaube sie hieß Sophia (dieser Name begleitete mich in Zukunft noch öfter). Sie war wundervoll und ich wünschte, ich könnte ihr das jetzt noch einmal sagen! Sie war so ruhig, so einfühlsam. Für kurze Zeit konnte ich meine Schmerzen vergessen.
Wir kamen in einen großen dunklen Raum ohne Fenster. An einer Wand stand eine Liege, gegenüber ein Schreibtisch. An diesem saß der Oberarzt. Sophia (ich nenne sie im Folgenden nun weiter so) hatte mich vorher gefragt, ob sie bei der Untersuchung beibleiben dürfe, selbstverständlich durfte sie dies.
Und dann ging es los und nun wusste ich, warum der Raum keine Fenster hatte.
Der Ultraschall, den der Oberarzt nun von meinen Mädchen machte, wurde direkt per Beamer an die Wand geworfen, an der der Schreibtisch stand. Ich fühlte mich wie im
Kino und war einfach glücklich meine Babys so groß vor mir zu sehen. Ihr Herz regelmäßig schlagend. Für einen Augenblick war ich unglaublich beruhigt. Augenscheinlich ging es ihnen gut.
Doch dann schaute der Oberarzt nach dem Fruchtwasser und sagte etwas über Hamburg zu seinem Assistenzarzt. Dieser nickte nur.
Und dann erklärte er es auch mir.
Das FFTS war stark ausgeprägt. Er schlug eine Laserung vor. Er erzählte er kenne den Arzt in Hamburg sehr gut und er wäre der absolut Beste dafür. Es gäbe wohl noch eine sehr gute Klinik in der Schweiz, aber da würde er erst nachfragen, wenn Hamburg nicht könne.
Also rief er noch während meiner Anwesenheit in Hamburg an. Diese sagten zu und somit war meine Verlegung nach Hamburg geplant.

 

Wieder auf dem Zimmer angekommen rief ich bei meiner Stationsleitung an. Ich wollte sie fragen, welchen der Neoärzte ich um Rat bezüglich der Laserung bitten könne.
Kurz danach rief er mich zurück. Ich kann es hier erwähnen, eventuell liest er es sogar, aber ich bin ihm soooo dankbar! H. Hat mir in diesem schweren Moment so sehr zur Seite gestanden. Ohne zu zögern hat er mir geholfen und sich erkundigt. Er selbst kannte sich nicht sehr gut damit aus, rief aber eine befreundete Kollegin an, um diese um Rat zu bitten. Er sagte, dass Hamburg diesbezüglich einen sehr guten Ruf habe und ich beruhigt sein könnte. Auch fragte er nach den Schätzgrößen und -gewichten und sagte mir, dass die Kinder bei 25+0 sehr gute Chancen hätten. Ich wusste, was er mir damit indirekt sagen wollte. Beruhigen tat es mich trotzdem nicht.
Bevor er auflegte, sagte er, ich solle sofort anrufen, wenn noch etwas sei. Falls er nicht an sein Handy gehe, wäre er über Station erreichbar. Ich vertraute (vertraue) seinem Rat zu 100%, also stellte ich mich darauf ein nach Hamburg verlegt zu werden.

 

Ich hatte weiterhin starke Schmerzen, der Oberarzt beschloss die Tokolyse erneut zu erhöhen. Mehr war nun nicht möglich.
Der Transport nach Hamburg sollte gegen elf Uhr stattfinden. Es war zehn Uhr, als die Schmerzen immer stärker wurden. Ich konnte nicht mehr sitzen. Auch stehen und laufen tat mir weh. Liegen ging gar nicht. Schülerin Sophia war wieder an meiner Seite. Sie brachte mir Kamillentee, den ich hasste aber artig trank und gab mir den wunderbaren Tipp das Kopfteil meines Bettes fast senkrecht zu stellen, mich davor zu Knien und mit dem Oberkörper darüber zu lehnen. Dies war die erste und einzige Position, in der die Schmerzen aushaltbar waren. Auch das CTG wurde in dieser Position geschrieben.
Die Schmerzen wurden immer stärker, hinzu kam nun auch eine leichte Blutung. Ich erschrak, als ich diese bemerkte. Sofort rief ich die Hebamme, sagte ihr dies und fragte, ob ich bereits jetzt (10.30) die Tokolyse erhalten könnte. Die Hebamme empfand die Blutung als unwichtig und sagte, dass die Tokolyse noch nicht möglich und diese um elf Uhr wieder dran sei.
Ich musste dies hinnehmen.
Die Schmerzen wurden und wurden nicht besser, die Blutung hingegen mehr. Auch spürte ich nun einen starken Druck nach unten und ich musste mich erneut mehrfach übergeben.
Wieder wies ich die Hebamme darauf hin und wiederwillig erhielt ich die Tokolyse 10 Minuten (!!!) eher.

 

Der Transport verzögerte sich, doch die Tokolyse zeigte nach ca. 30 Minuten zumindest eine kleine Wirkung. Leider nur für etwa 1 1/2 Stunden. Dann waren die Schmerzen wieder da. Immer wieder wies ich auf diese sowie den Druck nach unten und die Blutung hin. Immer wieder wurde dies als „normal“ abgestempelt.
Es war mittlerweile fast 14 Uhr und nun wurde mir gesagt, dass der Transport bald bereit wäre. Ich fühlte mich nicht wohl bei dem Gedanken daran! Ich sagte der Hebamme, dass ich nicht wüsste, wie ich in diesem Zustand einen Transport nach Hamburg schaffen solle. Erneut versuchte sie alles als nichtig abzutun. Aber diesmal lies ich nicht locker und wollte mit einer Ärztin sprechen.
Einige Zeit später kam eine Ärztin, ich sagte ihr, was das Problem war und sagte ihr, dass ich das Gefühl hatte, dass etwas nicht stimmte.
Nun sollte ich mit zum Ultraschall.
Auch während diesem hatte ich starke Schmerzen (Wehen), ich hielt es kaum aus auf dem Stuhl zu sitzen. Es dauerte gefühlt eine Ewigkeit, bis die Ärztin dann sagte, sie könne auf dem Ultraschall zu wenig sehen, sie müsse einmal anders gucken.
Und dann kam der Schock..

Muttermund 4cm geöffnet! Außerdem saß der Kopf des ersten Kindes schon sehr tief im Becken. Ich wusste genau was das bedeutete und als der Oberarzt gerufen wurde war Schluss mit meiner Beherrschung. Jetzt, würden meine Mädchen kommen. 15 Wochen zu früh, 25+0 Schwangerschaftswoche!
Aber als der Oberarzt dann vor mir stand und mir sagte, dass jetzt alles für die Sectio vorbereiten werden würde, riss ich mich sofort wieder zusammen und teilte mit, dass ich keine Vollnarkose wolle. Da bereits im ersten Krankenhaus alle wichtigen Blutwerte abgenommen wurden, war dies zum Glück möglich. Ich hätte mir nichts schlimmeres vorstellen können, als bei der Geburt meiner Töchter „nicht anwesend zu seien“. Ab dann ließ ich alles über mich ergehen. Mir war egal, was mit mir passierte. Jetzt zählten nur noch meine Kinder!

 

Ich weiß noch, dass ich in einen Rollstuhl gesetzt wurde, wie ich dann allerdings in den OP gelangt bin, weiß ich nicht mehr. Ich weiß erst wieder, dass ich vor dem OP-Tisch stand und raufgebeten wurde, um die PDA zu erhalten.
Mein Mann war noch nicht da, er musste sich erst umziehen. Ich hatte keine Angst, das Team war wirklich sehr nett, einfühlsam und ruhig. Das übertrug sich auf mich. Als ich dann lag und einen weiteren Zugang bekam war mein Mann schon da, saß links neben meinem Kopf.
Es mag komisch klingen und warum ich das wollte weiß ich auch nicht ganz genau, aber ich wollte gerne den Kinderarzt sehen, der gleich meine Kinder erstversorgen würde. Er kam sogar tatsächlich und mir fiel ein Stein vom Herzen. Er kannte mich nicht mehr, ich war noch Schülerin, aber ich erinnerte mich an ihn. Er hatte zuvor in meinem Krankenhaus gearbeitet. Nun wusste ich, dass meine Mädchen gut aufgehoben sind.
Und dann ging es los.
Vorbereiten, desinfizieren, mir Sauerstoff geben. Währenddessen besprachen mein Mann und ich die künftigen Namen unserer Kinder. Wir hatten uns bereits zwei überlegt, doch welches Kind bekam welchen und was machten wir mit den Zweitnamen die wir uns überlegt hatten. Sollten sie sie nun bekommen oder nicht? Wir entschieden uns dafür. Auch die Entscheidung wer welchen Namen bekam ging sehr schnell.
Und so hörte ich auch schon die Frage, ob ich irgendetwas, was sie wohl taten, spüren würde. Ich spürte nichts. Das Zeichen, dass sie den Schnitt setzen konnten.
Als nächstes hörte ich einen lauten Platsch. Es klang, als hätte jemand einen riesigen Eimer Wasser auf den Boden gekippt. Die Ärztin, die während der Sectio assistierte sagte mit einem Lachen über das Tuch hinter dem mein Oberkörper lag:“Wow, dass war sehr viel Fruchtwasser, meine Socken sind jetzt durch.“

15:04! Meine erste Tochter war auf der Welt. So wurde es mir gesagt. Ich hörte nichts. Sie machte keinen Mucks. Wohl das schlimmste Gefühl, dass ich jemals hatte.
Ich wusste nicht, ob sie nur zu schwach war oder ob etwas nicht stimmte. Ich hatte solche Angst! Sie wurde mir nicht gezeigt. Ich weinte.
15:06! Da war sie meine zweite Tochter. Und wieder.. Kein Mucks.
Ich hörte, dass der Oberarzt unruhig wurde und brüllte, dass ich sofort eine weitere Infusion Oxytocin bräuchte. So schnell wie möglich! Im Nachhinein erfuhr ich, dass meine Plazenta abgerissen war.
Mir war das egal. Mir war egal was mit mir passierte. Ich wollte nur, dass es meinen Töchtern gut ging und das wollte ich endlich von jemandem hören.
Und da kam sie. Die Hebamme, die mein Herz wieder etwas ruhiger schlagen ließ. Sie zeigte mir ein Foto meiner kleinen süßen Tochter und sagte mir, dass es ihr gut gehe. Von der zweiten mache sie sofort eins, aber die Ärzte waren noch mit ihrer Erstversorgung beschäftigt, aber auch ihr ging es gut. Dieses Foto folgte jedoch kurz danach. Es tat gut sie sehen zu können, obwohl ich nicht zu ihnen konnte. Meine Erste war gerade mal 30cm lang und 555g leicht. Meine Zweite war 33cm und wog 720g. Aber auf den Fotos sahen sie für mich einfach nur aus wie meine Babys. Zart und mit Schläuchen, aber trotzdem wunderschön!
Als die Ärzte mit mir fertig waren wurde ich in einen Raum geschoben in dem der Oberarzt der Neonatologie auf mich wartete. Er gratulierte mir und sagte, sie würden gleich meine Mädchen zu uns schieben. Sie machten sich sehr gut für ihre Woche und deshalb könne ich bereits jetzt mit der Zweiten kuscheln. Die Erste war noch etwas schwächer und hatte bereits einmal Surfactend gebraucht, deshalb wollten sie sie nur neben mich schieben.
Ich kann die Freude nicht beschreiben, die mich überkam als ich meine Mädchen, meine zwei kleinen Töchter, das erste Mal sah.
Ich bekam meine winzige Tochter direkt zu mir auf die Brust gelegt. Wir kuschelten Haut auf Haut. Gleichzeitig legte ich eine Hand an den Kopf meiner anderen Tochter, die direkt neben mir in einer offenen Einheit lag. Meine Hand war mindestens doppelt so groß wie ihr Kopf und doch kam sie mir nicht so klein vor. Erst jetzt im Nachhinein, auf den Bildern, sehe ich, wie klein sie wirklich waren.
Ich weiß nicht wie lange wir da so lagen, aber es fühlte sich nicht kurz an. Ich genoss die Situation einfach, doch hatte ich auch Verständnis, als der Arzt sagte, sie müssen die Kinder nun auf Station bringen.

 

Es mag seltsam klingen, aber wieder habe ich ein Blackout was dann passierte. Nur von meinem Mann weiß ich, dass ich auf mein Zimmer gebracht wurde und sofort schlief.
Auch erinnere ich mich nur in Bruchteilen daran, dass wir abends noch einmal bei den Kindern waren. Ich weiß weder was ich empfand, als ich das erste Mal das Zimmer betrat, in dem ich die nächsten zwei Monate die meiste Zeit des Tages verbringen würde, noch ob ich meine Kinder anfasste oder nur anschaute.
Aber ich erinnere mich an eine Sache ganz genau.
Ich weiß, dass ich im Rollstuhl bei den Kindern im Zimmer war, ihre zuständige Schwester war auch dort. Sie musste gerade etwas an den Mädels machen. Dabei sprach sie so liebevoll und beruhigend mit ihnen, dass ich zu Tränen gerührt war.
Als wir gingen saß sie vor dem Zimmer der Mädchen und erledigte die Dokumentation.
Ich bedankte mich bei ihr und sagte ihr, dass ich jetzt ruhigen Gewissens gehen könnte.
Ich ging mit der Gewissheit, dass meine Kinder gut aufgehoben und liebevoll versorgt wurden.

 

Und mit diesem Gefühl verließ ich auch die kommenden 55 Tage das Zimmer meiner Töchter..

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle Bild: http://www.frauenaerzte.com/jonas_wp/mutterpass-seite-9-ctg/

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10 Gedanken zu „15 Wochen zu früh, 25+0 Schwangerschaftswoche!

  1. Zu Tränen gerührt Janet 🙂
    Ich erinnere mich an meinem Moment im OP 🙂
    Man kann es nicht in Worte fassen. Dieses wunderschöne Gefühl als Mutter das 1.mal sein/e Kind/Kinder zu sehen.
    Ich lese weiter. 🙂 Und selbst wenn du ein Buch darüber schreiben würdest..ich würde es kaufen. Denn ich kann aus deiner Sicht und aus der gleichnamigen Sicht einer Kikra alles nachempfinden was du schreibst. Weiter so 🙂

  2. Toll geschrieben.
    Und wie ich ja schon bei FB geschrieben habe, kamen mir bei der Erinnerung an dem Tag bei dir im Krankenhaus, die Tränen.
    Und ich bin froh, dass ich dir wenigstens etwas helfen konnte, denn nur 1 1/4 Jahre später hast du dich mehr als genug dafür revangiert. Dafür danke ich dir soooo sehr :*

    1. Ich wusste eben wo du da durch musst! Aber selbst wenn nicht hätte ich es ganz genau so getan! Lieb euch

  3. Mit großem Kloß im Hals hab ich deine Erinnerung teilen dürfen. Ich bin immer wieder mehr als stolz und begeistert, wie toll ihr und eure Mäuse diesen (schweren) Weg gemeistert habt. Unglaublich wie prima sie sich entwickeln, für ihren doch sehr frühen Start ins Leben!!!

  4. Happy Birthday ihr zwei Kämperinnen.
    Liebe Janet es gibt nicht viel zu sagen außer wow wow wow wie ihr diese schwere Zeit gemeistert habt und du diese emotionale Geschichte nun zu Papier bringst, ist einfach wow. Gänsehaut pur.
    Habt heute eine wundervollen Tag für eure Mädels.

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