Ich sah, dass er wollte dass wir ins Krankenhaus fahren..

– Die Geschichte meiner  Kämpferinnen Teil 3 –

 

19 Tage nach der zweiten Feindiagnostik. Nur 19! Der Arzt sagte ich hätte noch entspannt 28 Tage Zeit für eine VERLAUFSKONTROLLE..

 

Es war eine furchtbare Nacht. Die Nacht von Sonntag auf Pfingstmontag. Dienstag wollte ich zu meinem Gynäkologen und mir einen Bauchgurt verschreiben lassen.
Ich hatte Schmerzen. Furchtbare Rückenschmerzen. So sehr, dass ich vor Schmerzen weinte.
Ich lag erneut auf dem harten Boden im Wohnzimmer. Mein Mann neben mir auf der Couch und hielt meine Hand. Ich konnte nicht schlafen. Ich wand mich vor Schmerzen. Ich konnte nicht schlafen und weckte meinen Mann mitten in der Nacht und bat ihn mir eine Paracetamoltablette zu bringen. Er fragte mich, ob wir nicht lieber ins Krankenhaus fahren wollten. Ich verneinte dies und sagte ihm, dass ich in nur einem Tag eh zum Gynäkologen gehen würde. Er schlief wieder ein. Ich hingegen blieb wach.

Die Tablette half kaum. Ich lief etwas und schlief letztendlich vor Erschöpfung halb sitzend ein. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute war nicht einmal eine Stunde vergangen. Die Schmerzen wurden wieder mehr. Erneut weckte ich meinen Mann. Langsam fing ich an zu verzweifeln. Ich war müde unglaublich müde. Seit Tagen bekam ich kaum Schlaf und dann diese Schmerzen. Mein Mann hatte es mittlerweile aufgegeben sich wieder auf die Couch zu legen. Er saß neben mir auf dem Boden und schaute mich an. In seinen Augen sah ich, dass es ihm unglaublich leid tat wie es mir ging. Aber da war noch mehr, ich sah, dass er wollte dass wir ins Krankenhaus fahren.

Immer wieder nickte ich für wenige Minuten in seinen Armen ein. Aber es half alles nichts. Die Schmerzen wurden nicht besser. Immer wieder fragte mein Mann mich, ob wir nicht besser ins Krankenhaus fahren könnten und nach ziemlicher Diskussion mit mir (typisch Krankenschwester, wir brauchen ja keine Ärzte 😉), überzeugte er mich doch davon.

 

Wir führen um sechs Uhr morgens los in das Krankenhaus in dem ich arbeite. Ich nahm mir ein Kissen mit und legte es mir während der Fahrt in den Rücken. Jeder kleine Huckel tat mir unglaublich weh. Also krallte ich mich am Griff der Beifahrertür fest und hoffte so die Stöße abdämpfen zu können. Mit mehr oder weniger Erfolg..

Eine Stunde später meldeten wir mich in der Notaufnahme an. Auf dem Weg dorthin begegneten wir noch einer Kinderärztin, die ich gut kannte. Sie fragte, was wir hier machten. Ich versicherte ihr, dass ich mir sicher nur etwas im Rücken eingeklemmt hätte.

So beschrien beschrieb ich es auch der Schwester in der Anmeldung und nannte ihr eine Schmerzintensität von 8 (0 gar keine, 10 sehr starke Schmerzen). Ich weiß sie sagte noch, dass ich vielleicht gleich besser in den Kreißsaal solle, doch ich winkte ab. Ich glaube, der Gedanke an den Kreißsaal machte mir Angst, denn das würde bedeuten, dass etwas nicht „nach Plan“ lief.

Ich konnte direkt ins Behandlungszimmer. Dort wurde wie üblich Blutdruck gemessen. Anschließend sagte die Schwester wir können nochmal etwas raus oder etwas essen. Es würde noch etwas dauern, bis ein Arzt kommt. Sie würde uns ausrufen. Also gingen wir in die Cafeteria und holten uns eine Kleinigkeit zu essen, wir hatten ja noch nicht gefrühstückt. Aber zweimal von der Laugenstange abgebissen, ich muss dazu sagen, Brezeln waren in der Schwangerschaft mein Hauptnahrungsmittel, hatte ich schon genug. Mir war schlecht.
Drei Stunden warteten wir. Wir sahen niemanden. Die Schmerzen hingegen wurden immer schlimmer. Langsam machte mein Kreislauf Probleme und ich bat meinen Mann eine Schwester zu fragen, wie lang es noch dauert, ihr zu sagen, dass es mir nicht gut gehe. Ich konnte nicht mehr sitzen oder stehen, also sagte ich ihm, er solle bitte auch fragen, ob wir nochmal in das Behandlungszimmer können, in dem ich zuvor war, damit ich mich dort kurz hinlegen könne. Genauso taten wir es auch.

Weitere 20 Minuten. Mir ging es nicht gut, also schickte ich meinen Mann erneut zur Schwester. Diese kam mit ihm zurück und sagte, sie würde uns nun zum Behandlungsraum der Gynäkologen bringen. Dort würden wir gleich aufgerufen werden. Sie fragte ob sie mich auf der Trage hinbringen sollte. Ich wusste, dass es nicht weit war und lehnte ab.
Und da saßen wir nun. Wieder warten. 15 Minuten. Wir klopften an die Tür. Keine Reaktion. Weitere 15 Minuten und ich war mit meinen Kräften am Ende.

Ich schickte meinen Mann eine Schwester zu holen. Mir wurde schwarz vor Augen. Ich konnte nicht mehr sitzen noch stehen. Sie kam sofort mit einer Trage und fuhr mich direkt in den Kreißsaal.
Auch wenn ich es nicht zugab, in diesem Moment wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass etwas absolut nicht stimmte. Ich hatte Angst! Ich fing an zu weinen, versuchte aber mich zu beherrschen. Ich wollte nicht, dass mich jemand meiner Kollegen eventuell so sah. Weinend auf einer Trage liegend.

 

Im Kreißsaal angekommen konnte ich direkt ins Behandlungszimmer und eine Ärztin war sofort da.
Ultraschall. Den Kindern ging es gut. Aufatmen. Und dann sah ich ihr Gesicht..

Das gleiche Gesicht, dass ich schon beim Arzt bei der Feindiagnostik gesehen hatte! Mein Magen verkrampfte sich und wieder liefen die Tränen. Mein Muttermund war einen halben Zentimeter geöffnet und mein Gebärmutterhals verkürzt. Die Ärztin sagte mir, dass ich wahrscheinlich Wehen habe. Zusätzlich hatte ich einen Harnstau. Auch daher kamen die Rückenschmerzen.
Die Ärztin war wirklich sehr nett. Ganz ruhig sagte sie mir, dass sie jetzt Blut abnehmen und ein CTG schreiben wollte. Ich merkte, dass sie versuchte mir keine Angst zu machen und mich zu beruhigen. Aber als sie mir sagte, dass ich sofort die erste Lungenreife erhalten werde und sie mich in ein anderes Krankenhaus (eins mit einer Kinderintensiv, welche auch auf sehr frühe Wochen eingestellt ist) zu verlegen, damit ich dort die Tokolyse erhalte, wusste ich, dass es wohl doch ernster war.
Ich hatte Angst. Sehr große Angst!

 

Ich bat meinen Mann eine befreundete Kollegin, von der ich wusste, dass sie gerade auf Station war, zu holen.
Ganz sicher warum ich das wollte bin ich mir bis heute nicht, aber zum einen wollte ich kurz alleine sein und zum anderen wollte ich ihm nicht zeigen, wie viel Angst ich wirklich hatte. Ich glaube, ich brauchte einfach jemanden, der genau wie ich wusste, was das alles bedeutet. Bei dem ich nichts sagen musste. Vielleicht hoffte ich auch ein bisschen, dass ich mich irrte und sie mir dies sagen würde. Aber so war es nicht.
Sie war da, verstand, nahm mich einfach in den Arm und versuchte mich damit zu beruhigen, dass ich in dem anderen Krankenhaus sehr gut aufgehoben wäre. Und was soll ich sagen, es half.

Ich konnte mich wieder etwas entspannen, ließ einfach alles über mich ergehen und wurde dann nach Erhalt der Lungenreife mit dem Krankenwagen verlegt.
Mein Mann ließ unser Auto stehen und fuhr mit mir..

 

An alle, die Cliffhanger nicht mögen: Meine Cousine ist Schuld 😀

Sie wollte weiterlesen. Aber ehrlich gesagt würde ich direkt weiterschreiben, würde dieser Beitrag auch sehr lang werden. Also heißt es erneut, etwas Geduld und dann geht es weiter 🙂

Feedback ist wie immer erwünscht 😉

 

 

 

 

 

 

 

Quelle Bild: https://www.sjk.de/kliniken/geburtshilfe/kreisssaal-entbindung#

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4 Gedanken zu „Ich sah, dass er wollte dass wir ins Krankenhaus fahren..

  1. Was heißt hier „meine Cousine ist schuld“? :O ich wollte keinen cliffhanger.

    Ey ich Fieber richtig mit, obwohl ich genau weiß was passiert. 😀

    Und ich leide mit dir. Vieles erinnert mich an meine Aufnahme ins Krankenhaus und die Tage danach. 🙁

  2. Krankenschwester zu sein ist Fluch und Segen. Manchmal hilft es einem Dinge besser zu verstehen… Wenn das Versehen einen selbst betrifft kann das sehr beängstigend sein!
    Eine normale Geburt ist schon aufregend und vielleicht beängstigend, aber eine drohende Frühgeburt, Schmerzen, Übermüdung, … Das ist wirklich ein sehr harter Weg

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